28.02.2011

Die Königsrede

Bei der 83. Oscarverleihung gestern abend in Los Angeles gab es vor der Verleihung des Preises für den besten Film eine hübsche Videocollage aus den zehn nominierten Filmen - unterlegt mit der "King's Speech" aus dem gleichnamigen Film...


Und hier die Originalszene. King's Speech hat den Oscar dann auch gewonnen.

24.01.2011

Lektion 21: Der S.U.V.



"Braun ist das neue Weiß. Und das war ja das neue Schwarz", weist uns Hubert Korth, Verkaufsleiter bei unserem Lieblingsdealer - Autohaus Marquardt in Hannover - in die aktuelle automobile Farbenwelt ein und läßt sogleich den eiförmigen "Schlüssel" zu dem großen Braunen in unsere ausgestreckte Handfläche fallen. "Keyless entry!", zwinkert Korth uns zu. Und von nun an genügt es, den Türöffner in der Hosentasche zu tragen und der Volkswagen Touareg V8 TDI steht immer offen, sobald wir uns ihm nähern.

Daß man mit dem Touareg problemlos Gipfel erklimmen, durch Flüsse waten und die Wüste Gobi durchqueren kann... - das alles, weiß man ja quasi schon aus der Fernsehwerbung. Aber wie steht es um die soziale Intelligenz des allerneuesten S.U.V. niedersächsischer Provinienz? Das genau wollen wir testen. Auf schwierigstem Parkett. In Berlin, Sarrazin-Country.

Auf der Hinfahrt über die A2 machen wir uns erst einmal mit dem neuen Achtzylinder-Diesel vertraut, der im Konzernregal den alten V10er ersetzt. Dieser hatte zwar nominell ein paar PS weniger, haute einem seine brachiale Kraft aber derart vulgär um die Ohren, daß besonders Herrenfahrer mit einem Hang zum Küchenpersonal auf ihre Kosten kamen. Der Neue stellt 340 PS und ein Drehmoment von 800Nm zur Verfügung. Beachtliche Werte, aber hier wollen ja - beladen mit Mann und Maus und etlichen elektrischen Helferlein - auch fast drei Tonnen gegen den Wind gestemmt werden. Ab 200km/h wirkt der Touareg dann auch ein wenig angestrengt. In den Weiten Brandenburgs mit seinen unendlichen Kiefernwäldern belassen wir es bei dieser Reisegeschwindigkeit. Der Touareg ist ein grandioses  Langstreckengefährt. Kein Vergleich mit dem hoppeligen Vorgänger, der immer ein bißchen zuviel raues Kutschbock-Flair verströmte. Und dann die Assistenten gegen jede nur denkbare Fehlleistung des Fahrers: Abstandstempomat, Fahrspurkontrolle, Toter-Winkel-Überwachung, Regensensor, Verkehrszeichenerkennung, state-of-the-art Navigationsssytem...

Letzte Ausfahrt Kreuzberg,
Bergmannstraße 1
Wir flögen am liebsten durch bis Ostpreußen, aber hinter Tempelhof heißt es: "all doors in park". Unser Testparcours beginnt ausgerechnet im tiefsten Kreuzberg, Bergmannstraße 1. "Kreuzberg?!", hatte uns ein befreundeter Architekt und Berlin-Connaisseur noch nachgerufen, "da brennt der Wagen doch innerhalb von Minuten aus!" Doch bei ArabBelly, dem besten Schawarma-Bräter Berlins, läßt man nichts anbrennen. Schon gar nicht unseren mokkafarbenen Touareg, der hier - direkt vor der Tür geparkt - einen Hauch von Tuareg verströmt und von den Migranten und Migrantinnen des Kiez' wohlwollend bestaunt wird. Macht schon was aus, das neue, erfreulich zurückgenommene Design des immer noch großen S.U.V. Ein vergleichbarer Porsche Cayenne, diese Blech gewordene Cortison-Spritze, hätte gewiß schon Bekanntschaft mit Herrn Molotow gemacht. Da fackelt man hier nicht lange.

Bei Huong Que,
dem besseren Monsieur Vuong?
Ein paar Blocks weiter beim - laut Thilo Sarrazin wesentlich besser integrierten - Vietnamesen (hier die Suppenküche Huong Que) bedankt sich der Fahrer eines VW Passat erster Generation mit Aufschrift "Republik Freies Wendland" artig, als wir ihm unseren großzügig bemessenen Parkraum überlassen. Wir winken fröhlich zurück, wissend, daß unser Testfahrzeug endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.


5-Sterne-Plus: RC
Aber wie sieht es am Rande aus, dort wo das Gras angeblich grüner aber die Luft auch wesentlich dünner ist? Ritz-Carlton Hotel am Potsdamer Platz. Hier haben sie alle genächtigt, die Baracks und Robbies. Und hier kann er sich erstaunlich breit machen, unser 102.480-Euro-Super-Luxus-Schlitten. Wir haben die Heckklappe kaum von innen entriegelt, da springt der sichtlich beeindruckte Portier auch schon herbei durch das übliche Spalier aus S-Klasse und allerlei exotischem Getier. Kurios wird es freilich, als wir Stunden später zum Diner aufbrechen wollen und den Volkswagen aus der Garage kommen lassen: Wir staunen nicht schlecht, als gleich zwei Hotelangestellte der mittleren Führungsebene in schicken grauen Anzügen den Wagen pilotieren. Fahrer und Beifahrer - das kennt ein Touareg eigentlich nur von der Dakar-Rallye. "Tolles Auto", flöten die beiden unisono. Fazit: Parkettsicher ist der Testwagen auch auf 5-Sterne-Niveau.

Nächste Disziplin: City-Tauglichkeit und Wendigkeit. Parcours 1: Der Ku-Damm zwischen Kempi und Schlüterstraße. Weiße Cayennes, hellblaue 612 Scagliettis, mattschwarze 911er - hier wird Moskoviter Lebensart zelebriert. Um die Blicke der blonden, langmähnigen Russinen an den Volants der rassigen Sportwagen auch einmal auf uns zu ziehen, müssen wir den braven Niedersachsen ganz schön 'rannehmen und uns recht agressiv auf Augenhöhe bringen - fast wie junge Türken im 3er-BMW. Nee, das wird heute nichts... Für Svetlana ist der Volkswagen zu normal.

Borchardt
Parcours 2: Friedrichstraße zwischen Französische Straße und Quartier 206, früher Abend, es ist wusselig in Mitte. Doch wie ein Damenfahrrad wieselt unser Touareg zwischen quer und in zweiter Reihe geparkter Verkehrsteilnehmer hindurch. Und dank Rückfahrkamera gelingt es uns sogar, elegant vorm "Borchi" einzufädeln. Wobei: das beeindruckt die langgeschürzten Kellner nicht wirklich. Sei's drum: Wie immer, Wiener Schnitzel und weißer Sancerre

Rosenthaler Platz
auf zum Prenzelberg
Parcours 3: rund um den Kollwitzplatz. Auf dem Spielplatz  haben schon Suri Cruise und die ungezählten Plagen von Brangelina getobt. Was vier Räder hat, darf hier schon mal hochwertig sein. Kinderwagen unter 2.000 Euro sind eher die Seltenheit auf dem "Prenzelberg". Und auch unser brauner Bomber erntet fast nur freundliche, anerkennende Blicke, als wir zum dritten Mal bei Anna Blume vorbeirollen auf der Suche nach Parkraum. Das ist das eigentlich Skandalöse, schließlich befinden wir uns in dem einzigen Wahlkreis der Bundesrepublik Deutschland, in dem der Kandidat der Grünen per Direktmandat in den Bundestag gewählt wurde - der Herr Ströbele. 

Müssen wir umdenken? Ist der moderne S.U.V. wider Erwarten doch noch in unserer Gesellschaft angekommen? In der Tat. Braun ist nicht nur das neue Weiß. Der dezent gezeichnete, ökologisch verträgliche, effiziente VW Touareg ist offenbar gleichsam so etwas wie der neue Golf GTI. Klassenlos, modern, unprätentiös. Auf der Heimfahrt müssen wir denn auch unwillkürlich an alte GTI-Zeiten denken. Ach, früher... Ein wenig zu gedankenverloren bügeln wir die A2 platt. Zwei Fotos, Punkte, Buße. Geschichte wiederholt sich doch. Macht aber Spaß.

Karl-Marx-Allee. Der Touareg behält die Übersicht.

City-Slicker. Auf einem Werksfoto.

05.12.2010

Lektion 19: Bei Wichmann

Zwei Hochzeiten und zwei Todesfälle, Taufen und Konfirmationen, intime Soupers und große Feinschmeckereien. Wer in Hannover aufgewachsen ist - mit einem gewissen Hang zu bürgerlichen Traditionen und großbürgerlicher Gourmandise, dem ist das landhausartige Refugium der 150-Jahre-alten Gastwirtschaft Fritz Wichmann von Kindesbeinen an ein zweites Wohnzimmer. Alle anderen Hannoveraner kennen es nur von außen. Dafür kehren hier auch auswärtige Kanzler, Könige und Kaiser häufiger mal ein.


Den Anruf nahm Ariane Weick, die Tochter des Hauses, an - und erstarrte sogleich. Stumm reichte sie den Hörer weiter an ihren Vater. Am anderen Ende der Leitung war ER persönlich, um sich im perfekten deutsch für einen schönen Abend in der Gastwirtschaft zu bedanken: Wladimir Wladimirowitsch Putin, (damals) Staatsoberhaupt Russlands. Das war selbst für Verhältnisse, wie sie hier vorherrschen, etwas Besonderes. Und deshalb hängt ein Erinnerungsfoto von Putins Besuch heute im Entrée. Andere blieben unfotografiert, unerwähnt. „Diskretion ist alles!“, verrät Gerd Weick, „und ich selbst muß auch nicht ständig Journalisten Rede und Antwort stehen.“ Uns jedoch empfängt er zum Interview im sogenannten Delfter Zimmer.

Ein lupenreiner Feinschmecker

Die Gastwirtschaft Wichmann verteilt sich auf ein schier unendliches Ensemble aus Kabinetten, Stuben und Sälen. „Unser“ Delfter Zimmer hatten seinerzeit auch Putin und sein Gastgeber Gerhard Schröder für ihre vertrauliche Zusammenkunft gewählt.

„Lassen Sie uns bitte nicht vom Kochen sprechen!“, beginnt der Hausherr, der zwischen 1974 und 1982 hier Küchenchef im Dienste der Familie Fritz Wichmann war und 1976 den ersten Michelin-Stern in die Landeshauptstadt Hannover holte, der, dem das traditionsreichste Restaurant dieser Stadt seit 1988 selbst gehört. Worüber möchte er denn gerne plaudern? „Über Frauen. Meine Inspiration, meine Welt...“ Und schon werden Fotos vorgezeigt. Mit Langbein Ute Lemper, mit Champagnerlady Virginie Taittinger („meine beste Freundin“)...

Altes Fachwerk -
der ideale Rahmen für schöne Frauen

Und weiter geht es zu den Witwen verdienter Stammgäste. Es ist nämlich so, daß jeden Mittag gegen eins Weicks BMW X5 vom Hof rollt und das wohl exklusivste Essen auf Rädern ausliefert, das dieses Land kennt. „De luxe. Auf Silbertablett.“ Nur für zwei ältere Damen in Waldhausen. Das ist Chefsache. Es müssen schon gute Gäste gewesen sein früher, denen Weick diesen ebenso rührenden wie soignierten Dienst erweist. „Ach, wissen Sie, früher...“, wird der Wirt sentimental und berichtet von Kaviar satt, von bis dato ungekannten Edelprodukten aus Frankreich, von Partys bei seinem Mentor Walter Böcker, in dessen Lokal am Maschsee die Schönen und Reichen dereinst so richtig Gas gaben. Heute heißt es Die Insel, und dort rühmt man sich auf einer kleinen Fotowand der Besuche von Angela Merkel und Robert Enke.

Gerd Weick -
Wichmanns Hausherr seit 1988

Weick selbst bevorzugt das Understatement. „Mein Rolls-Royce steht in der Küche“, springt er auf. Wir folgen ihm ins Allerheiligste. Und tatsächlich, da ist er: der Molteni-Herd, groß, schwer und bedrohlich wie ein Panzer. Kein anderes Utensil könnte in dieser Küche stehen. Hier wo man dem  Hummer in allerlei Varianten huldigt, wo aus Stopfleber Torten aufgeschichtet werden, wo man dem Wildbret eine eigene saisonale Speisekarte widmet, wo der Fisch tagesfrisch nur im Ganzen angeliefert wird - je nach „Marktlage“. Aber was ist mit Businnesmenüs, Downsizing?  „Haben wir alles probiert,“ winkt der Chef ab, „darauf legen unsere Gäste keinen Wert.“

Sohn Arndt, Gerd Weick
und ganzer Kabeljau mit Kopf

„Außerdem: wir wollen nicht vom Kochen reden!“. Stattdessen schwelgt Gerd Weick - passionierter Klarinettenspieler (!), wie wir erfahren - nun von Musik. Alles von Klassik bis zu den Rolling Stones. Ach ja, werfen wir ein, und uns rauscht der Kopf, waren die auch schon hier? „Die Stones?“, beugt Weick sich nach vorne und fängt an zu flüstern, „da mußten wir die Fensterläden zuziehen! Sie kamen kurz nach Mitternacht und die Session ging bis vier Uhr morgens. Mick hat sich am nächsten Tag persönlich für den schönen Abend bedankt.“ Wir sacken zusammen. In dem Stuhl, in dem schon Putin saß.

Da kann man lachen: der kleine Lustgarten im Innenhof
zählt zu den zauberhaftesten Plätzen in der Landeshauptstadt

02.12.2010

Newsflash: Die netten Al Thanis aus Qatar

Aus gegebenem Anlaß veröffentlichen wir hier leicht gekürzt einen Text, der bereits vor zwei Jahren, am 04. August  2008, in unserem Blog Travels (gehostet bei Posterous) erschien. Erfahren Sie, geneigter Leser, direkt vom Stilbestimmer alles über das rätselhafte Qatar, das 2022 Ausrichter der FIFA-WM sein wird.


Travels
Reisetagebuch, 04.08.08: Die netten Al Thanis aus Qatar



Das Westin Paris steht diesmal im Zeichen zweier Familien, die beide mit Kind und Kegel hier Urlaub machen: Die des Stilbestimmer - in Zimmern 3053/3054 - und die Familie Al Thani aus Qatar. Der Skeikh hat für seine Sippschaft die 2. Etage komplett gebucht (120 Zimmer) und Teile der Innenhofterrasse permanent reserviert, um dort eine vermittels Paravents abgezirkelte Caravanserai aufzuschlagen. Man ist gerne "entre nous".


Ansonsten sind die Al Thanis sehr nett. Die Kleinen vergnügen sich tagein, abendaus auf dem - wie in jeden Sommer - vis-à-vis in den Gärten der Tuilerien aufgebauten Jahrmarkt, die Sheikhas (die Frauen und Töchtern des Emirs von Qatar) tun das, was deutsche Girlies auch den ganzen Tag tun: Shoppen, und die halbstarken Muselmänner interessieren sich nur für Autos.


Ausnahmezustand vor dem Westin: Der Fuhrpark des Sheikh besteht aus ca. 30 schwarzen S-Klasse-Limos von Europcar mit Hamburger Kennzeichen - sowie diversen Bentley Continental, Lamborghini Murciélago oder Cayenne Turbo S - alle weiß lackiert und alle zugelassen in Doha, der Hauptstadt von Qatar.


What money can't buy: Gut, weiß lackiert ist mein Golf Plus 1.4 auch, und der Wagenmeister, Monsieur George, parkt Das Auto aus jahrelanger Verbundenheit noch vor dem Lambo - wäre ja auch noch schöner... Und während wir uns unter den Kolonaden der Rue de Castiglione die Beine vertreten, denkt des Stilbestimmers Sheikha: "Was soll's?! Mein Gatte hat zwar keine Flügeltüren, aber 'Caravanserai' ist für ihn immer noch das vierte Album von Santana, und nicht die Lobby in seinem Pariser Stammbeiserl."



Den Eiffelturm läßt das alles kalt. Er strahlt zu jeder vollen Stunde eisblau und macht immer eine gute Figur.

Im Sommer 2022 werden die Wandelgänge im Westin Paris
sie wohl nicht sehen: Urlaubssperre für die netten Al Thanis aus Qatar

01.12.2010

Lektion 18: Kleine Fluchten

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Bernardo Bellotto:
Venizianisches Capriccio mit Ansicht von Santa Maria dei Miracoli
 Der wasserseitige Eingang ins Gritti

Selbst der polyglotteste Reisende kann nicht immer dort sein, wo er sich gerade hinwünscht. Unser Lieblingsplatz in der Welt, wie wir sie kennen, ist die hölzerne Terrasse (direkt am Canal Grande) des Hotels Gritti Palace in Venedig im Stadtteil San Marco.

Hotel Gritti Palace
Über die Luxuriösität und Abgehobenheit dieser Herberge ist alles gesagt. Eine Art Ritz in der Lagune, denn wie in der Pariser Hotel-Ikone gibt es auch hier viele Legenden und ebenso viel Renovierungsstau - und gelegentlich Langweile.

Doch nicht immer, wenn spontanes Fernweh plagt, ist der Canal Grande sofort greifbar. Eine naheliegende Alternative ist ein Besuch in der Landesgalerie im Niedersächsischen Landesmuseum zu Hannover. Hier hängt - ein wenig versteckt - unser ganz privates Venedig. Diesen Kurztrip kann jedermann machen: Es ist eine kleine Ansicht der Kirche Santa Maria dei Miracoli, gemalt um 1740 von Bernardo Bellotto (geb. in Venedig 1721, gest. in Warschau 1780).

In der Landesgalerie
Das Gemälde ist ein Capriccio, in dem einzelne venezianische Bauwerke zu einer frei erfundenen Komposition zusamengefügt wurden. Die linke Bildhälfte zeigt die Chorseite der kleinen Votivkirche Santa Maria dei Miracoli mit Rundfenstern im Kuppeltambour anstelle der gegenwärtig rundbogigen Fensteröffnungen und ohne die blinden Oculi im rechteckigen Tambourunterbau. Das 1481 - 1489 von Pietro Lombardo und seiner großen Werkstatt errichtete Gotteshaus war zur Zeit seiner Entstehung der erste allseits freistehende Kirchenbau Venedigs.

Santa Maria dei Miracoli
Bellottos Mutter war die Schwester des Malers Antonio Canaletto; deshalb ist Bellotto gelegentlich auch unter dem Namen seines Onkels und Lehrmeisters in die Kunstgeschichte eingegangen. 1735 trat er in dessen Werkstatt ein, zunächst als Schüler, später als Mitarbeiter. Von 1747 - 1766 war Bellotto als Hofmaler in Dresden tätig und wirkte anschließend bis zu seinem Tod als Hofmaler in Warschau. Seine Stadtansichten zählen zu den Höhepunkten der Vedutenmalerei des 18. Jahrhunderts.

Das Gemälde in der Landesgalerie ist eine Leihgabe der Fritz Behrens Stiftung Hannover.

(Quelle: Teile dieses Textes entstammen der Bildbeschreibung des genannten Werkes der Landesgalerie im Niedersächsischen Landesmuseum.)

28.11.2010

Lektion 17: Essen muß der Mensch

Bigmouth Striked Again
Winter in Paris. Ein sonniger Mittag auf der Terrasse von "Les Deux Magots". Alle wollen nur das eine, das Tagesgericht: Den verführerischen kleinen Linsensalat mit einigen Scheiben Foie Gras (12,50 €). Es breitet sich unter dem legendär souveränen Servicepersonal sogar eine gewisse, gänzlich ungewohnte Hektik aus, weil die Küche offenbar nicht nachkommt. Geht etwa die Stopfleber zur Neige? Eigentlich undenkbar in Pariser Kühlschränken… Oder hat der Chef seine Linsen verloren?

Als nun noch obendrein auch wir das begehrte Schälchen (siehe Foto) ordern, verdreht der Kellner sogar kurz die Augen und muß erst durch eine scharfe Nachfrage nach seinem Befinden – abschtlich mit deutlich deutschem Akzent vorgetragen – wieder zur Räson gebracht werden. Aber warum die Aufregung? Schließlich wäre auch heute der Deux-Magots-Klassiker eine sichere Wahl: der “Saumon fumé de Norvège et toasts” (24,50 € - im Foto links) – ein Lachs von einer Güte, die demütig werden läßt.

Wir lassen uns jedenfalls beides servieren auf dem winzigen Outdoor-Tischchen vis-à-vis der Église Saint-Germain-des-Prés, die in der wärmenden Wintersonne glänzt. Unterdessen versteckt der “Voiturier” - auf deutsch: ein Auto-Weg-Parker für die Gäste des "Les Deux Magots" (Kosten: 8,00 €) - unseren Renault-Kangoo vor der Meute der eifrigen Pariser Politessinnen. Den praktischen Kastenwagen haben wir am Flughafen Orly geborgt von Regine Sixt.

Und so sitzen wir total glücklich zu Tisch. Denn heute bekommt das Auto mal kein “Knöllchen”, und wenn doch – es gehört ja gar nicht uns… So läßt es sich aushalten. In 75006 Paris!

Dieser Text erschien zuerst in dem Food-Blog Hannover is(s)t phantastisch

17.10.2010

Inception



OMG! Ab 3. Dezember gibt es den nächsten Oscar-Kandidaten für "Bester Film" (2011) bereits auf DVD...


11.10.2010

Es klappert der Elbert am rauschenden Bach


Am Küchengarten in Hannover-Linden gibt es eine Bar, dort kann man über eine geöffnete Kiste 1990er Hermitage La Chapelle von Jaboulet (100 Robert Parker Punkte) ins WC schweben und von da den Gästen beim Weintrinken zusehen - durch eine halbdurchlässige Fensterscheibe.

Die Weinbar "IhmeRauschen" befindet sich in demselben leicht barackenhaften Gebäudekomplex, in dem auch die Gaststätte "11a Küche mit Garten" untergebracht ist. Und wie diese ist auch IhmeRauschen ein Projekt von Christoph Elbert und seiner reizenden Gefährtin Verena Schindler. Wer in den letzten zwei Jahren mal im 11a essen war, das wir an anderer Stelle bereits als "das ungewöhnlichste unter den guten Restaurants Hannovers" bezeichnet haben, der ahnt, daß im IhmeRauschen die Uhren ein wenig anders ticken als gemeinhin in Lindener Eckkneipen. Die neue Weinbar ist quasi die Alice-In-Wonderland-Version einer Trinkhalle. Eingebaut wurde sie in ein vormaliges Umspannwerk. Wo früher die schweren Transformatoren im Boden eingelassen waren, ist jetzt der unterirdische, nach oben verglaste Weinkeller - in ihm: eine der wertvollsten hannöverschen Sammlungen von Spitzengewächsen aus aller Welt aus den größten Jahrgängen.

Wegen des Kraftstroms, der früher in dieser Halle floß, - und nicht nur wegen des Wellenschlags der nahen Ihme - trägt der Laden jetzt das "Rauschen" im Namen, denn "der Begriff stammt ja irgendwie auch aus aus der Welt der Elektrik", weiß Wirt Elbert.

Der Allegorien sind noch viele: Die grafittiartigen Höhlengemälde in dem fensterlosen Verließ zitieren Van Gogh. "Die Pappeln rund um Arles, keiner hat sie so gemalt wie Vincent," schnalzt Elbert, "und ich habe ihn jetzt kopiert!" Im Maßstab 10:1. Über uns verdüstert sich die Wolkenhimmeltapete, schon bald rauscht es nicht nur in der Ihme, sondern auch im Kopf des Gastes. Erdacht und umgesetzt haben das frappante Konzept die Wirtsleute Elbert und Schindler gemeinsam mit Designer Oliver Schröder von raum D.

Übrigens: wer nun keinen Wein trinken mag, greift zur Wacholderbeere. Der Gin'n'Tonic kommt in der langstieligen Tulpe unter Verwendung des Münchner Kultlabels The Duke. Im Service: das sympathische 11A-Team um die hausbekannten Grazien Mel und Paula. Nur die gute Bahar verweigert sich der erweiterten Kampfzone, wie sie uns verrät. "Ich verstehe nichts von Wein," stellt die resolute Maîtresse de maison vom 11a klipp und klar. Man kann eben nicht alle haben. Auch nicht als Alice im Wunderland.

Unterirdischer Keller mit überirdischen Trouvaillen - wir stehen drauf
Christoph Elbert mit Weinkönigin aus Beaune
Kopfrauschen
Ein lebhafter Ausblick vom stillen Örtchen
Unser Exklusivinterview


Dieser Post erschien zuerst in unserem Food-Blog Hannover is(s)t phantastisch

Weil wir böse sind


Der TATORT "Weil sie böse sind" hat Sonntagabend völlig verdient den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Bester Fernsehfilm" gewonnen.


Einer stand nicht mit auf der Bühne, um den Preis entgegen zu nehmen: Matthias Schweighöfer, der Hauptdarsteller. Der Kritik gilt das Wunderkind spätestens seit "Böse" als einer der besten Schauspieler der Welt... Die F.A.Z. schrieb seinerzeit: "Weil Schweighöfer das so schlicht wahrhaftig spielt, löst er ein, was der Titel behauptet: dass das Böse in uns allen lauert. Wenn dieser Schauspieler auf einen neuen Pasolini trifft, könnte er unsere Filmwelt aus den Angeln heben."


09.10.2010

Lektion 16: Der trockene Martini



Zu den unterhaltsamsten Künstler-Autobiographien zählen die Lebenserinnerungen des spanischen Regisseurs Luis Buñuel: "Mein letzter Seufzer". Kein "Wie-ich-Filme-machte"-Langweiler, sondern Weisheiten und Savoir Vivre pur. Bemerkenswert zum Beispiel die Reflexionen über den Verlust der eigenen Libido, von dem alternden Buñuel offenbar herbeigesehnt wie eine Art der Befreiung. Nach dem die sexuelle Lust ausgebrannt ist, widmet er sich fortan seiner zweiten großen Leidenschaft - dem Martini-Cocktail. Was ihn keinesfalls gleich zu einem Trinker macht - zwei Stück pro Tag sind genug. Die wollen jedoch sorgfältig zubereitet sein... Diese Passagen sind kapitelfüllend.

"Wie" man den Drink zubereitet, darüber ist freilich genug geschrieben worden. Allerdings, wie man über dieses "wie" trefflich streiten und diskutieren kann, das zeigt Buñuel in einer Sequenz seines in gewohnt surrealer Manier geschaffenen Films "Der diskrete Charme der Bourgeoisie": Wieder einmal wartet die Gesellschaft der sechs Protagonisten auf das gemeinsame Diner. Monsieur Thévenot bereitet derweil Martini-Cocktails zu: "Chèrie, so wie du ihn trinkst, so war er einmal in den 30er Jahren in New York Mode, aber ich mag ihn lieber so - mit einem Spritzer Pernod."

Schließlich muß auch noch Maurice, der Chauffeur, für eine Demonstration herhalten. Der arme Tor bedankt sich artig für die Einladung, stürzt den Dry Martini dann aber hinunter ohne abzusetzen. Verhaltensstudien: "Habt ihr es gesehen? DAS war das typische Beispiel, wie man einen trockenen Martini NICHT trinken sollte!" Madame Thévenot jedoch entschuldigt den Proleten: "Er ist ein Mann aus dem Volke, er hat nun mal keine Kinderstube!" Tja, heute sagte man wohl: dumm gelaufen.


Übrigens: besonders im angelsächsischen Raum macht es Spaß, den Martini als "Montgomery" zu bestellen, benannt nach dem britischen General im Zweiten Weltkrieg Sir Bernard Law Montgomery. Man sagte ihm nach, daß er erst dann seinen Widersacher, den deutschen "Wüstenfuchs" General Rommel, wagte anzugreifen, wenn seine Truppen denen der Wehrmacht 15:1 überlegen waren. In Harry's Bar in Venedig, wo der "Montgomery" erfunden wurde, beschränkt man sich auf ein Mischungsverhältnis von 10 Teilen Gin zu 1 Teil Vermouth. Das ist also nachgerade schmeichelhaft für den ängstlichen General, aber immer noch ein harter Drink für jeden Martini-Fan. Salute!