21.09.2011

Espresso Pads


Gentleman 2011: Beim Aldi hinterm Hauptbahnhof, im Dreieck zwischen Puff, Kik und 1-Euro-Shop, sich von einer jungen - in besseren Zeiten vermutlich mal bildschönen - Mitbürgerin mit starkem osteuropäischen Akzent und augenscheinlichen Drogenproblemen in ein distinguiertes Fachgespräch über Espresso-Pads vom Discounter verwickeln zu lassen, und sich abschließend mit formvollendeter Grandezza für die guten Ratschläge zu bedanken...

It cannot be given, so it must be taken.

Cova Pasticceria Mailand
- an der Espresso-Bar

17.09.2011

Beim Schuhputzer

Club Salon Baba
L'art du cirage et du glaçage  

Oft wird vergessen, daß die Dienstleistung am Gentleman ja auch immer ein Akt der Kommunikation ist, oder sollte man besser sagen: war. Mit meinem Barbier kann ich mich nicht unterhalten. Er spricht nur türkisch. Immerhin: wenn ich mich bei der kitzligen Massage der Halspartie krümme und winde, lächelt er leise mit. 

In der Heimat des Gentleman mag das hie und da noch etwas anders sein. Im The Connaught (dem besten Hotel Londons - wer das Gegenteil behauptet, ist blöd) wird der Gang zum Klo zum Vergnügen. Denn auf dem stillen Örtchen hinter der Lobby wartet das vertraute Gesicht eines in Ehren gealterten, nun..., sagen wir mal: "Facility Managers" - wie es heute wohl heißen muß. 

Der livrierte Schwarze reicht das Frottée. Und die sich anschließende Diskussion, Tropfen welchen Eau de Toilettes er seinem Gast wohl in den Nacken sprühen dürfe, gehört zu den vergnüglichsten Momenten des Tages.
The Connaught Hotel
Ein paar Schritte weiter östlich in diesem wunderbaren Mayfair, in der Burlington Arcade, sitzt ein Schuhputzer - mehr als Deko denn als Service, übrig geblieben von einem ganzen Heer dienstbarer Geister, die früher - so wird erzählt - mit Wichse und Bürste durchs  borough  wieselten. Immerhin: der hier macht seine Sache gut - für 3 Pfund. Doch ist dies nur noch ein Abgesang. Wie ja die ganze Arkade im Grunde genommen nur noch Zierart und Folklore ist. Für die hier angebotenen Produkte und Dienstleistungen gibt es eigentlich keinen messbaren Markt mehr. Hingegen: vis-à-vis, vor dem Flagship von Abercrombie&Fitch, versuchen zwei muskelbepackte Türsteher die Massen zu bändigen... Heute will halt jeder nur noch ein Leibchen, auf dem steht: "A.F.".

Das Aussterben bedrohter Servicearten ein wenig hinauszuschieben, das hat sich ein senegalesischer Dipolomatensohn aus Paris auf die Fahnen geschrieben. Papa "Baba" Conrad Sarr. Und er geht sogar noch weiter, er kehrt den fatalen Trend um! Sein Schuhputzladen, der mit Devotionalien vollgepfropfte, wie der Schrein eines Dandys eingerichtete Club Salon Baba in einer Querstraße der Champs-Eylsées, ist der exklusivste und charmanteste hot spot des gesamten 8. Arrondissement. Le plus cool. 

Zunächst einmal: Das Handwerk wird hier zelebriert wie eine Kunstform. Und so nennt Baba es auch: l'art du cirage et du glaçage. Mit seiner geheim gehaltenen Technik, die er nur noch an seine gazellenhafte Assistentin und Freundin weitergegeben hat, bringt er Schuhe derart zum Glänzen und Strahlen, daß es eine Wonne ist. Das dauert mitunter aber auch schon mal bis zu 20 Minuten - kostet aber immer nur 10 Euro, und wenn man lieb ist, versteht sich der Preis sogar inklusive Espresso oder Champagner. Und lieb sind hier die meisten, denn dieser schöne, warmherzige, freundliche Mensch, der noch in Sneakers Eleganz ausstrahlt, versammelt die feinsten Exemplare der jeunesse dorée in seinem kleinen Schuhputzlädchen. Es ist wie in einem Taubenschlag, bloß daß hier fast ausschließlich der Typ Paradiesvogel zur Tür hineinflattert, darunter zur Hälfte Weibchen.

Man spricht über Neuigkeiten aus dem Quartier, über Reisen, die schönen Künste, Afrika, Martin Luther King... und über Schuhe! Mit einem Billigfabrikat oder gar einem Loch in der Sohle sollte man den Club Salon Baba tunlichst nicht aufsuchen, denn um sich zu blamieren, gibt es bestimmt bessere Orte als diesen Hort lässiger Kultiviertheit und selbstverständichen Stils. 34 rue Jean Mermoz. Grüße bitte!

Babas Gästebuch: Frankreichs Jeunesse Dorée

Eine schöne Reportage über den Club Salon, der ich diese beiden Foto entnommen habe, gibt es auch hier: De Jeunes Gens Modernes.

Der Stilbestimmer trägt beim Schuhputzer: Schuhe von Alden, Strümpfe von Sozzi, Hose von Valentini, Hemd von Barba, Sakko von Cesare Attolini.

04.08.2011

"Spring" in Paris


Paris-Bloggerin Meg Zembeck ist ganz verknallt in das In-Resto Spring (amerikanischer Koch!). Das kleine Filmchen verbreitet Pariser Wohlfühlatmosphäre, wie man sie in den immer seltener werdenden Bistros spüren kann. Weitere Infos gibt's hier: klick it!

01.08.2011

Wo Hamburg am schönsten ist



Das Miniatur Wunderland (Eigenname ohne Bindestrich, kurz MiWuLa) in Hamburg ist die größte Modelleisenbahnanlage der Welt. Sie befindet sich in der historischen Speicherstadt und wird von der Miniatur Wunderland Hamburg GmbH betrieben. Auf der 1300 m² großen Anlagenfläche liegen insgesamt 13 km Gleise im Maßstab 1:87 (Nenngröße H0), auf denen 930 digital gesteuerte Züge verkehren. Im vorläufigen Endausbau, der ca. im Jahr 2020 erreicht sein soll, soll die Anlagengröße über 2300 m² mit über 20 km Gleisen betragen.

23.07.2011

On the streets



Schon seit einigen Jahren spielt sich das wirkliche Geschehen in der Modewelt nicht mehr bloß auf den Laufstegen ab, sondern bei den Mode-Selbstdarstellern, die sich auf den Straßen großer Städte oder am Rande von Modenschauen inszenieren. 

Streetstyle-Fotografen machen Bilder von ihnen und stellen sie in ihren Modeblogs ins Netz. Als Erfinder dieser "Kunstform" gilt gemeinhin Scott Schuman, bekannt als "The Sartorialist". Tatsächlich ist das aber keine neue Idee. Der Vater der Streetstyle-Fotografie macht das seit 50 Jahren! Er heißt Bill Cunningham und ist heute 82 Jahre alt. Seit einem halben Jahrhundert knipst er originell aussehende, Trend setzende Leute auf den Straßen New Yorks und zeigt diese Fotos jeden Sonntag in seiner legendären Kolumne "On the Street" in der New York Times.

Jetzt ist ein Film über ihn und sein Werk entstanden, der im Herbst auch hierzulande auf DVD erscheint: Bill Cunningham New York.

Im Fokus: Anna Wintour

11.06.2011

Lektion 25: Der Salat "Niçoise"

Wer einmal in der Provence oder an der Côte d'Azur unterwegs war, weiß, es gibt so viele Rezepte für den Nizza-Salat wie Restaurants...

11.04.2011

Echte Unterhaltung (That's Entertainment)

A smash of glass and the rumble of boots -
An electric train and a ripped up 'phone booth -
Paint splattered walls and the cry of a tomcat -
Lights going out and a kick in the balls -
that's entertainment.



07.04.2011

Lektion 24: Chuzpe [xʊtspə]

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Theatre des Champs Elysées
Avenue Montaigne, Paris

Chuzpe [xʊtspə], auch Chutzpe (aus dem jiddischen חוצפה [chùtzpe] von hebräisch חצפה [chuzpà] für „Frechheit, Dreistigkeit, Unverschämtheit“ entlehnt) ist eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.

Im Hebräischen enthält der Begriff eine negative Bewertung für jemanden, der die Grenzen der Höflichkeit aus egoistischen Motiven überschreitet. Im Jiddischen und in den meisten europäischen Sprachen schwingt Anerkennung für eine Form sozialer Unerschrockenheit mit. Hier spricht man insbesondere von Chuzpe, wenn jemand in einer eigentlich verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas für sich herauszuschlagen versucht.

(Quelle: Wikipedia)

Biblioteca della Moda
Via Alessandria, Mailand

03.04.2011

Einmal 106: Richtig chinesisch essen gehen.


#26 - "Pikante Gemüsesuppe mit Hühnerfleisch"
In Hannover in der Hildesheimer Straße befindet sich eines der ältesten China-Lokale Deutschlands, das Restaurant Tai Pai, bereits 1963 eröffnet von einem gewissen Doktor Ma, als dieser schöne chinesische Nachname noch einen guten Ruf hatte, was sich erst änderte, als Regisseur Michael Cimino in der New Yorker Chinatown-Saga "Year of the Dragon" seiner Figur Ma ausgerechnet den Beinamen "White Powder" vorstellte, womit keinesfalls der Geschmacksverstärker Glutamat gemeint war.

In Doktor Mas Refugium prankte ein riesiges Gemälde der Schluchten des Jangste im Speisesaal, und das so erzeugte Lokalkolorit in Verbindung mit Kostbarkeiten wie "Geschnetzeltes Rindfleisch zweimal gebraten, nach Art des Hauses" (noch heute als Nummer 106 in der Karte) vermittelten dem Gast das beruhigende Gefühl, China jetzt so gut zu kennen, daß eine eigene Inaugenscheinnahme vor Ort nicht mehr nötig war.

Die Authentizität machte allerdings beim Personal halt: Die Ober Herr Lehmann und Herr Brakemeier servierten mit altdeutscher Akkuratesse und stilecht in weißen Kellnerjacken - stets kritisch beäugt vom kettenrauchenden Doktor Ma an Tisch 1.

Das Tai Pai ist eines der wertvollsten Erben, die uns die Lokalgeschichte hinterlassen hat. Es kongenial zu verwalten, ist der große Verdienst von Yat Kuen Chor, der hier vor Jahren eine neue Dynastie begründete und sicher stellt, daß das Tai Pai bleibt, was Doktor Ma einst schuf: Eine Oase des Genuß'. Generationen lernten als Kind hier die große weite kulinarische Welt kennen, so auch der Stilbestimmer – sein Leibgericht: #26.

Tai Pai | Hannover | Hildesheimer Str. 73 | Tel.  (0511) 88 52 30

Erfrischendes Tsingtao Bier im Tai Pai
Daß wir heute Tsingtao Bier trinken, haben wir den Zulu zu verdanken. Zulu-Krieger fügten den Briten in der Schlacht bei Isandhlwana am 22. Januar 1879 eine verheerende Niederlage zu, die sogar Kaiser Wilhelm bestürzte. Allerdings sorgte er sich weniger um das Wohl der Engländer: bislang hatte man sich in Europa darauf verlassen, daß Großbritanniens Armee und Marine die Handelsflotten aller befreundeter Staaten schützen würde, aber nun war der Nimbus der britischen Unbesiegbarkeit im blutigen Sand Südafrikas versunken.

Das deutsche Reich beschloß, dem Welthandel nun selbst den notwendigen militärischen Rückhalt zu verschaffen und gründete u.a. den Marinestützpunkt in Tsingtao, auf deutsch: Qingdao. Bis 1914 stand Qingdao als Hauptstadt des „Deutschen Schutzgebiets Kiautschou“ unter deutscher Herrschaft. Aus dieser Zeit sind noch heute viele Bauten erhalten, so zum Beispiel die Brauerei, die deutsche Siedler hier sofort nach ihrer Ankunft errichtet hatten, um Bier nach deutschem Reinheitsgebot zu brauen. Die ehemals deutsche Brauerei ist nun ein weltweit agierendes Unternehmen und hat inzwischen Brauereien in ganz China, Teilen Asiens und Nordamerikas aufgebaut. Ihr Bier wird unter dem Namen Tsingtao weltweit vertrieben.