11.10.2010

Es klappert der Elbert am rauschenden Bach


Am Küchengarten in Hannover-Linden gibt es eine Bar, dort kann man über eine geöffnete Kiste 1990er Hermitage La Chapelle von Jaboulet (100 Robert Parker Punkte) ins WC schweben und von da den Gästen beim Weintrinken zusehen - durch eine halbdurchlässige Fensterscheibe.

Die Weinbar "IhmeRauschen" befindet sich in demselben leicht barackenhaften Gebäudekomplex, in dem auch die Gaststätte "11a Küche mit Garten" untergebracht ist. Und wie diese ist auch IhmeRauschen ein Projekt von Christoph Elbert und seiner reizenden Gefährtin Verena Schindler. Wer in den letzten zwei Jahren mal im 11a essen war, das wir an anderer Stelle bereits als "das ungewöhnlichste unter den guten Restaurants Hannovers" bezeichnet haben, der ahnt, daß im IhmeRauschen die Uhren ein wenig anders ticken als gemeinhin in Lindener Eckkneipen. Die neue Weinbar ist quasi die Alice-In-Wonderland-Version einer Trinkhalle. Eingebaut wurde sie in ein vormaliges Umspannwerk. Wo früher die schweren Transformatoren im Boden eingelassen waren, ist jetzt der unterirdische, nach oben verglaste Weinkeller - in ihm: eine der wertvollsten hannöverschen Sammlungen von Spitzengewächsen aus aller Welt aus den größten Jahrgängen.

Wegen des Kraftstroms, der früher in dieser Halle floß, - und nicht nur wegen des Wellenschlags der nahen Ihme - trägt der Laden jetzt das "Rauschen" im Namen, denn "der Begriff stammt ja irgendwie auch aus aus der Welt der Elektrik", weiß Wirt Elbert.

Der Allegorien sind noch viele: Die grafittiartigen Höhlengemälde in dem fensterlosen Verließ zitieren Van Gogh. "Die Pappeln rund um Arles, keiner hat sie so gemalt wie Vincent," schnalzt Elbert, "und ich habe ihn jetzt kopiert!" Im Maßstab 10:1. Über uns verdüstert sich die Wolkenhimmeltapete, schon bald rauscht es nicht nur in der Ihme, sondern auch im Kopf des Gastes. Erdacht und umgesetzt haben das frappante Konzept die Wirtsleute Elbert und Schindler gemeinsam mit Designer Oliver Schröder von raum D.

Übrigens: wer nun keinen Wein trinken mag, greift zur Wacholderbeere. Der Gin'n'Tonic kommt in der langstieligen Tulpe unter Verwendung des Münchner Kultlabels The Duke. Im Service: das sympathische 11A-Team um die hausbekannten Grazien Mel und Paula. Nur die gute Bahar verweigert sich der erweiterten Kampfzone, wie sie uns verrät. "Ich verstehe nichts von Wein," stellt die resolute Maîtresse de maison vom 11a klipp und klar. Man kann eben nicht alle haben. Auch nicht als Alice im Wunderland.

Unterirdischer Keller mit überirdischen Trouvaillen - wir stehen drauf
Christoph Elbert mit Weinkönigin aus Beaune
Kopfrauschen
Ein lebhafter Ausblick vom stillen Örtchen
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Unser Exklusivinterview


Dieser Post erschien zuerst in unserem Food-Blog Hannover is(s)t phantastisch

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