24.12.2011

Merry X-Mas

Mit dem "Fairytale Of New York" von The Pogues & Kirsty McColl - vielfach gewählt zum schönsten Weihnsachtslied aller Zeiten - wünscht der Stilbestimmer ein besinnliches Fest. Fröhliche Weihnachten!

17.12.2011

Luck is an attitude

Ein Martini-Cocktail ist natürlich tausendmal cooler als der preiswerte Likör gleichen Namens, der irgendwie, irgendwann (ja, wann eigentlich?) mal in Mode war... Aber nach diesem Spot könnte man erwägen, schon mal ein Gläschen zu nippen von dem süßen Gesöff. Wenn's hilft. 



Yuri Buzzi, der Smartguy, ging übrigens aus einem "Kisser Casting" auf Facebook als Sieger unter 4000 Wettbewerbern hervor. Mit dem dauergrinsenden George "what else" Clooney wäre das Ding wohl auch übergeschwappt.



Advertising Agency: Fred&Farid Paris, France
Copywriters / Art Directors: Fred & Farid
Agency supervisor: Rasjida Bouharrak
Agency TV producer: Kate Taylor
Film Director: Peter Thwaites
Production company: Gorgeous, London
Music / Artist: "Oh Johnny, Oh Johnny Oh" / The Andrew Sisters

08.12.2011

Im Küchengarten

Côte de Boeuf (links) mit Christoph Elbert
Wir sind ganz entspannt und denken an: die Wedemark. Blühende Landschaft, nördlich der hannoverschen Stadtgrenze, beliebtes Refugium der besseren Kreise. Und die drehen sich nach Feierabend  am liebsten im Höpershof, ein aufs feinste restaurierter Landgasthof. Hier versinkt der geneigte Gast in ledernen Club-Sesseln und lauscht dem Knistern des Kamins. Auch die Teller verströmen Gemütlichkeit: man is(s)t im „Roastbeef mit Sauce-Remoulade und Bratkartoffeln“-Kosmos. Geadelt wird die „gutbürgerliche“ Speisung gerne mit roten Bordeaux. Der Patron ist Christoph Elbert. 

Sein Höpershof hat aus dem gelernten Koch Ende der 80er Jahre einen selbstständigen Wirt gemacht. Zuvor: Wanderjahre in Frankreich und Italien, dann der Liebe wegen nach Hannover. Hier zunächst Pâtissier - der Mann fürs Süße - in Schu‘s Restaurant, bald Chef im Gourmet‘s Buffet, dann in Heinrich Sterns Bistro Stern‘s Sternchen. Schließlich also das eigene Restaurant in der Wedemark und ein schöner  unternehmerischer Erfolg: die Wedemarker lieben ihr charmantes Hideaway.

Und Elbert selbst? Blickt 2007 versonnen auf die sich wiegenden Weizenfelder vor seinem Gehöft und sieht plötzlich keine Perspektive mehr. „Dieses Ambiente, diese Tischkultur, die Rituale ... - mir wurde klar, daß all das nur eine künstliche Distanz schafft zwischen dem Gastgeber und dem Gast...“, fühlt Elbert sich umringt von Langeweile, will stattdessen wieder Lust verspüren, sucht eine neue Herausforderung. Liegt es an der neuen Liebe Verena? Dank des bildhübschen Vollweibs wird Elbert nach 20 Jahren noch einmal Vater eines Sohnes - und geistiger Vater eines Gastronomiekonzeptes, das es in Hannover so zuvor noch nicht gegeben hat. Und das keinen größeren Gegensatz darstellen könnte zu den zuvor gepflegten Landhausfreuden.

Weinbergpfirsiche - eine Trouvaille
des Vielreisenden Trüffelschweins
Wir sind „Am Küchengarten“: das klingt zwar zunächst auch sehr romantisch und markiert tatsächlich den Ort, wo einst Obstkulturen und Treibhäuser standen zur Versorgung des königlichen Haushalts, aber wir sind im hier und jetzt im tiefsten Linden, hart aber herzlich. Das Häuschen, das Christoph Elbert und seine Frau Verena Schindler hier vorfanden, um es zu ihrem Restaurant 11 A umzubauen, war denn auch kein übrig gebliebener Lustpavillon sondern ein Trafoumspannwerk. Aber was heißt schon „umbauen“?  Es stehen jetzt halt Tische und Stühle drin - designed by Sperrmüll. Und irgendwie hat man es geschafft in die verwinkelten Örtlichkeiten eine Küche hineinzuzwängen. Wer Wolfgang Petersens Film „Das Boot“ gesehen hat... - aber lassen wir das. Der Chef möchte, daß wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. „Ich lasse hier die Hose runter“, kommt Elbert zum Punkt, „hier dreht es sich ausschließlich ums Essen und meine Weine.“ Bahar, die unwiderstehliche Servicekraft, trägt “Tête de veau“ auf - der Kalbskopf kommt mit Zunge, Bries und Hirn und liegt auf einer Scheibe Foie Gras. Ein Gedicht! So hat der junge Christoph ihn schon 1980 in Paris gekocht, damals im La Barrière de la Clichy. „Wir behandeln Hannover wie eine europäische Metropole“, sagt Elbert, dem der allzu zurückhaltende Auftritt schon wegen seiner Körpermasse gar nicht stehen würde, „das ist unser Geschenk an die Stadt!“

Was richtet Herr Elbert da wieder an?
Im Sommer sah man ihn auf Sylt im Sansibar, aber nicht etwa privat vorne im Gastraum, nein, als Hospitant in der Küche. „Ich wollte sehen, wie die Brigade dort unter Volllast arbeitet“, verrät der Nimmermüde, „denn wenn wir im Sommer am Tag 500 Gäste haben, sitzen wir auch manchmal ganz schön in der Scheiße.“ Dennoch: noch immer nicht jeder Feinschmecker findet seinen Weg in „die Elf“. Allein daß man nicht reservieren kann, schreckt ab. „Dabei bekommt bei uns jeder garantiert einen Tisch, man wartet zur Not ein Weilchen in unserer Bar Ihmerauschen.“ Dorthin wird auch gebeten, wer mit dem Essen fertig ist. „Manche Gäste sagen dann, sie wollten noch ein bisschen sitzen bleibe und ‚klönen‘“, wundert sich Elbert, „aber hier wird nicht geklönt.“

...Kalbskopf mit Zunge, Bries und Hirn und Foie Gras
Dieser Beitrag erschien zuerst in Hannover Geht Aus (Winter 2011/2012). Jetzt am Kiosk erhältlich.

07.12.2011

Carousel

Die quasi unter Auschluß der (uninformierten) Öffentlichkeit auf ZDF.neo laufende Serie Mad Men muß einem nicht auf Anhieb gefallen. Aber stylish ist sie schon. Nächste Woche beginnt die dritte Staffel auf dem Digitalsender. Die erste Staffel endete mit dieser Szene eines Pitch, also einer Wettbewerbspräsentation, für ein Produkt der Firma Kodak: einen Dia-Projektor, den die meisten von uns noch aus unserer Kindheit kennen.

Diese Mad Men sind nicht verrückt. Sie lassen ihre Kunst - wie die meisten Werbeagenturen in jener Zeit -  in der Madison Avenue in Manhattan erblühen... Daher der Name.




Nostalgia.
It’s delicate, but potent…
Teddy told me that in Greek, nostalgia literally means the pain from an old wound.
It’s a twinge in your heart, far more powerful than memory alone.
This device… isn’t a spaceship, it’s a time machine.
It goes backwards, forwards.
It takes us to a place where we ache to go again.
It’s not called the Wheel.
It’s called the Carousel.
It lets us travel the way a child travels.
Around and around and back home again, to a place where we know we are loved.

06.12.2011

Turner

Martin Boyce gewinnt gestern abend den renommierten britischen Kunst-Preis Turner-Prize, dessen Vergabe von der Londoner Tate Gallery organisiert wird (klickst Du hier zum Artikel in der Zeit!). Verglichen mit den meisten Preisträgern der letzten Jahre ein geradezu konservatives Urteil. Und wieder einmal ein Gruß nach Deutschland: der Preisträger lebt und arbeitet in Berlin...

04.12.2011

Karlie Kloss


Keine Frage beschäftigte uns alle in der letzten Woche so sehr wie diese: sind die neuesten Bilder von Karlie Kloss, die Steven Meisel für die Dezemberausgabe der italienischen Vogue gemacht hat (inkl. Cover) geshoppt oder nicht. Dieses Video beweist: alles echt an dem 19-jährigen Supermodel aus Chicago.


© Vogue Italia

© Vogue Italia

11.11.2011

Girl Panic

Duran Duran Releases New Video for “Girl Panic!”
Tuesday, Nov 8, 2011

by Crispin Kott

For a band who helped build their reputation on music video, it’s been a long time since Duran Duran made a promotional film worthy of their classic clips from the ’80s, which repeatedly cast the band as a hedonistic, futuristic, slightly effeminate gang of pirates.


Some of those videos – “Girls on Film,” “Rio” and “The Chauffeur” among them – turn up in a jarring montage midway through “Girl Panic!”, the new Duran Duran film directed by Jonas Åkerlund. I say film, because it’s nearly 10 minutes long, though it could also just as easily be called an infomercial. More on that in a minute.

There is a plot, a sort of loose one which is ultimately meant to tug at memories of an era when the guys in Duran Duran were young and pretty and supermodels like Naomi Campbell, Cindy Crawford, Eva Herzigova, Helena Christensen and Yasmin Le Bon were even younger and prettier. Those models appear in “Girl Panic!” and to the surprise of almost no one, they still look incredible. In fact, the only shock of all is that being married to swarthy Duran Duran frontman Simon Le Bon for a few decades has only served to make Yasmin Le Bon get even better as the years pass. Surely Oscar Wilde would have had an explanation for that.

So the plot, such as it is, is one of rock & roll decadence: Waking up in a fancy hotel (in this case London’s Savoy) surrounded by hot chicks, clearly having overdone it the night before with the booze and blow, but still looking like a god among wastrels. The rock stars in this case, however, are the supermodels, which I suppose qualifies as a twist if you can’t remember who Robert Palmer is.

Campbell plays the role of Simon Le Bon in the video, while the rest of the Fab 4/5 are portrayed by Crawford (bass guitarist John Taylor), Herzigova (keyboardist Nick Rhodes) and Christensen (drummer Roger Taylor). Yasmin Le Bon turns up as an unnamed guitarist in a sort of tongue-in-cheek gag which may or may not sit well with the band’s long time axeman, Dom Brown, an unofficial member who has been a crucial piece of the puzzle over the past few years, both in the recording studio and on stage.
There are other in-jokes as well, with the actual members of Duran Duran serving as photographers, journalists and hotel staff: Le Bon is a clumsy room service waiter; Rhodes a patient bellhop; Roger Taylor an elevator operator who may be the victim of sexual harassment or at least the makings of a letter for Penthouse Forum; and John Taylor as a chauffeur (get it?!?!?!?)

In the first Wayne’s World film, Mike Myers and Dana Carvey broke the fourth wall in a memorable bit about how products like Doritos can appear on screen as a sort-of-subtle means of advertising. Swarovski Crystals are no Doritos, and their appearance in “Girl Panic!” isn’t meant to be remotely subtle, either. It’s splashed across the screen both in word and deed. So is the UK edition of Harper’s Bazaar, which not coincidentally has a cover feature about the video and the supermodels in its current issue.

In fact, the only thing I was left asking at the end of “Girl Panic!” was whether the video had done a good job of advertising “Girl Panic!” itself. After far too much consideration far too early in the morning, the answer is an emphatic yes.

“Girl Panic!” is just one song on an album Taylor-made (haw haw!) to harken back to an era when Duran Duran mattered most: The ‘80s! All You Need is Now, produced by Mark Ronson, was a deliberately crafted time capsule, one which blended the Duran Duran of 2010/2011 with the sounds of 1981/1982. It’s splashy and sugary and, thanks to a rash of terrific songs and terrifically energized performances, it works from start to finish.

As a single, “Girl Panic!” dipped its toe in the water with a Record Store Day single, which included an exclusive David Lynch mix of the song on the b-side. Good fun, but where was the video?
Several months later, the video effectively captures the hedonism of the song’s grooves in scenes of young, barely clothed models touching tongues on four-poster beds, though “Girl Panic!” ebbs and flows like waves of cocaine and champagne crashing on a crystalline shoreline. The first time through the video, I wasn’t sure it had worked. But the song is like an earworm, catchy and clever, and it’s still there much later.

“Girl Panic!” works because it’s the first time since 1985’s “A View to a Kill” that a Duran Duran video effectively captures the band’s essential modus operandi: Booze, babes and bling.

Courtesy Popmatters.com

16.10.2011

Lieber Weihnachtsmann



Der schwedische Vodka-Produzent Absolut ist bekannt für seine auffälligen Flaschendesigns. Von Disco-Style über Regenbogen zu Rock-Design ist alles dabei. Für Sammler liefert Absolut regelmäßig und konsequent Nachschub. Auch diesen Herbst wird das Absolut-Portfolio um ein weiteres Erscheinungsbild erweitert: Absolut Crystal Pinstripe. Neues Design: ja; Neuer Inhalt: nein.


Mit dem Crystal Pinstripe, zu deutsch Kristall-Nadelstreifen, setzt Absolut die 2010 gestartete Crystal-Bottle Generation fort. Für jene, die gleich losstürmen möchten oder den Online-Händler ihres Vertrauens kontaktieren: Den Absolut Crystal Pinstripe wird es ausschließlich für den Duty Free-Handel geben. Momentan ist die Abfüllung zwar noch lediglich am Stockholmer Arlanda Flughafen zu erwerben, noch diesen Herbst aber startet die weltweite Markteinführung.


Die Flasche wurde in Zusammenarbeit mit den schwedischen Designern von Skogsberg & Smart veröffentlicht und von Reijmyre glassworks hergestellt. Letztere setzen als kleines Schmankerl noch zwei Kristall-Tumbler oben drauf. Als Augenfang sollte dies dann sicherlich funktionieren.


Um dem Ruf als Sammlerstück dann schließlich noch perfekt zu machen, wird es den Absolut Crystal Pinstripe nur 800 mal und zusätzlich eine schwarze Edition von nur 10 Stück geben. Allerdings wird sich am Inhalt der Flasche nicht viel zum Standard Absolut Vodka mit 40 %Vol. ändern.

Der Preis wird bei ca. 1.000 Euro liegen. Prösterchen!

(Quelle: eyeforspirits.com)


 


15.10.2011

The Invader

The Invader - das lang erwartete Spielfilmdebüt des belgischen Visual Artist Nicolas Provost. Amadou, ein afrikanischer Flüchtling, schlägt sich über Italien nach Belgien durch. Voller Zuversicht versucht er, sich in Brüssel eine neue Zukunft aufzubauen. Als er von Schleusern ausgenommen wird, weicht wieder die Hoffnung aus seinem Leben – bis er Agnès kennenlernt, eine Geschäftsfrau, attraktiv und clever, doch genauso einsam und verloren wie er. Ein Film über zwei Menschen, die ihren Platz im Leben suchen.


The Invader beginnt mit einem eigentlich zu spekulativen Bild: Die Kamera geht von einer halbnahen weiblichen Scham (Kadrage wie bei Courbet) zurück in die Totale eines FKK-Strands, an dem sich die nackte Frau erhebt, um ans Wasser zu gehen, wo gerade ein paar afrikanische Flüchtlinge entkräftet aus den Wellen taumeln. Einer davon ist Amadou, der von dieser Erscheinung für das Drama disponiert wird, von dem der Film erzählt...

(Quelle: cargo-film.de)



11.10.2011

Rumble in the Jungle



Der Rumble in the Jungle (dt.: „Der Kampf im Dschungel“) war ein historischer Boxkampf, der am 30. Oktober 1974 in Kinshasa (Zaire, heute:Demokratische Republik Kongo) zwischen George Foreman und Muhammad Ali stattfand. Der Kampf war für den Herbst 1974 als „Rumble in the Jungle“ in Kinshasa angesetzt worden, organisiert vom Box-Promoter Don King und größtenteils von Diktator Mobutu Sese Seko als Werbemaßnahme für sein Land und ganz Afrika finanziert. Als Teil des Rahmenprogramms veranstaltete King ein Großkonzert, bei dem unter anderem Miriam Makeba, James Brown, B. B. King, The Spinners und The Crusaders auftraten. Das gesamte Ereignis war für das Selbstwertgefühl der indigenen Bevölkerung Afrikas von ungeheurer Bedeutung, da bis zu diesem Zeitpunkt noch keine ähnlich bedeutenden sportlichen Großereignisse auf dem Afrikanischen Kontinent stattgefunden hatten.

Bei dem von Don King ursprünglich für den 25. September angesetzten Kampf standen sich der damalige Schwergewichts-Weltmeister George Foreman und der Ex-Weltmeister Muhammad Ali gegenüber. Weltmeister war inzwischen George Foreman, Olympiasieger von 1968. Er war in 40 Profikämpfen ungeschlagen (37 K. o.) und hatte die meisten seiner Gegner innerhalb weniger Runden K. o. geschlagen. Ähnlich wie 10 Jahre zuvor gegen Sonny Liston war Ali der Außenseiter, diesmal zudem mit 32 Jahren der Ältere. Es wurde allgemein erwartet, dass Alis Karriere durch einen schnellen und deutlichen K. o. beendet werden würde.

Der Kampf musste wegen einer Verletzung (ein Cut an der rechten Augenbraue), die Foreman sich während des Trainings (beim Zusammenstoss mit den zum Schutz erhobenen Ellenbogen eines Sparringspartners) zugezogen hatte, um einen Monat verschoben werden, wobei alle Beteiligten im Lande blieben.

Im Kampf selbst, der schließlich am 30. Oktober im Stade Tata Raphaël (heute ersetzt durch das 1994 errichtete Stade des Martyrs) stattfand (und zwar morgens um vier Uhr, damit die amerikanischen Fernsehzuschauer aufgrund der Zeitverschiebung den Kampf dennoch live schauen konnten), überraschte Ali seinen Gegner Foreman, das Publikum und sogar seinen eigenen Trainer durch seine Taktik. Anstatt wie früher durch Schnelligkeit und Tänzeln zu versuchen, den harten Schlägen seines Gegners auszuweichen, ließ er sich von diesem zunächst freiwillig in die Seile drängen, in denen er sich weit nach hinten lehnte. Damit war der Kopf außerhalb von Foremans Reichweite, den Körper konnte er durch die Arme schützen, zudem federten die Seile die Schläge ab.

In den Kampfpausen wurde versucht, die Seile zu spannen, aber Ali spielte weiterhin sein „rope-a-dope“ (zum Teil im Deutschen „Verweil am Seil“ genannt) genanntes Spiel, obwohl ihm der Trainer zurief, er solle unbedingt weg von den Seilen und vor allem weg von Foreman und dessen Fäusten. Ali jedoch suchte Foremans Nähe, um ihm zuzuflüstern: „Is that all you can, George?“.

Foreman, der seit dreieinhalb Jahren in keinem seiner Kämpfe länger als fünf Runden im Ring gestanden und seine letzten acht Gegner alle in den ersten zwei Runden K. o. geschlagen hatte, war von dieser ungewohnten Situation anscheinend überfordert. Er baute bald konditionell ab, und Ali konnte sich mit Kontern aus der Deckung heraus immer besser in Szene setzen. Kurz vor dem Ende der 8. Runde schlug Ali Foreman mit zwei schnellen Links-Rechts-Kombinationen und neun aufeinander folgenden Kopftreffern nieder. Foreman brauchte zu lange, um wieder aufzustehen, der Kampf war entschieden.

Ali hatte den Titel, der ihm sieben Jahre zuvor letztlich aus politischen Gründen aberkannt wurde, zurückgewonnen und brach damit als zweiter Schwergewichtsprofi nach Floyd Patterson das ungeschriebene Gesetz des Boxens: „They never come back!“.

(Quelle: Wikipedia, Video: "Ali" von Michael Mann)

05.10.2011

Wissen macht Ah!

Gut zu wissen: die Mini-Eiffeltürme, die man auf dem Trocadero kaufen kann, werden in Shanghai hergestellt. Verkauft werden sie fast auschließlich von Senegalesen aus dem Städtchen Touba, 150km östlich von Dakar.

Poni

Poni Hoax - Antibodies - music video directed by Danakil

29.09.2011

28.09.2011

Too Funky

Er schrieb den furchtbarsten Song der Popgeschichte und schuf so gleichsam einen Grund, das Weihnachtsfest zu fürchten: Last Christmas. Ansonsten war er eigentlich immer cool. Was macht eigentlich George Michael?


-- Letzte Woche auf der Friedrichstraße in Mitte --

Eggshell, with a Romalian type


Bislang dachte Patrick Bateman immer, er hätte die beeindruckenste Business-Card der Welt. Und wir dachten das auch. Nun kürte aber der New York Observer zur "Best Business Card Ever" die einer blonden Dame namens Devon Spurgeon (Foto). Sie ist Warren Buffets chief of staff und somit im Gegensatz zu Bateman eine real existierende Person. Die rechte Hand des drittreichsten Mannes der Welt übergab einer Anfragestellerin des Observer auf Buffets Geburtstagsfeier diese Karte:


Die ganze Story steht hier: klick!
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 ...und hier:
weiterlesen...
Very cool, baby.

21.09.2011

Espresso Pads


Gentleman 2011: Beim Aldi hinterm Hauptbahnhof, im Dreieck zwischen Puff, Kik und 1-Euro-Shop, sich von einer jungen - in besseren Zeiten vermutlich mal bildschönen - Mitbürgerin mit starkem osteuropäischen Akzent und augenscheinlichen Drogenproblemen in ein distinguiertes Fachgespräch über Espresso-Pads vom Discounter verwickeln zu lassen, und sich abschließend mit formvollendeter Grandezza für die guten Ratschläge zu bedanken...

It cannot be given, so it must be taken.

Cova Pasticceria Mailand
- an der Espresso-Bar

17.09.2011

Beim Schuhputzer

Club Salon Baba
L'art du cirage et du glaçage  

Oft wird vergessen, daß die Dienstleistung am Gentleman ja auch immer ein Akt der Kommunikation ist, oder sollte man besser sagen: war. Mit meinem Barbier kann ich mich nicht unterhalten. Er spricht nur türkisch. Immerhin: wenn ich mich bei der kitzligen Massage der Halspartie krümme und winde, lächelt er leise mit. 

In der Heimat des Gentleman mag das hie und da noch etwas anders sein. Im The Connaught (dem besten Hotel Londons - wer das Gegenteil behauptet, ist blöd) wird der Gang zum Klo zum Vergnügen. Denn auf dem stillen Örtchen hinter der Lobby wartet das vertraute Gesicht eines in Ehren gealterten, nun..., sagen wir mal: "Facility Managers" - wie es heute wohl heißen muß. 

Der livrierte Schwarze reicht das Frottée. Und die sich anschließende Diskussion, Tropfen welchen Eau de Toilettes er seinem Gast wohl in den Nacken sprühen dürfe, gehört zu den vergnüglichsten Momenten des Tages.
The Connaught Hotel
Ein paar Schritte weiter östlich in diesem wunderbaren Mayfair, in der Burlington Arcade, sitzt ein Schuhputzer - mehr als Deko denn als Service, übrig geblieben von einem ganzen Heer dienstbarer Geister, die früher - so wird erzählt - mit Wichse und Bürste durchs  borough  wieselten. Immerhin: der hier macht seine Sache gut - für 3 Pfund. Doch ist dies nur noch ein Abgesang. Wie ja die ganze Arkade im Grunde genommen nur noch Zierart und Folklore ist. Für die hier angebotenen Produkte und Dienstleistungen gibt es eigentlich keinen messbaren Markt mehr. Hingegen: vis-à-vis, vor dem Flagship von Abercrombie&Fitch, versuchen zwei muskelbepackte Türsteher die Massen zu bändigen... Heute will halt jeder nur noch ein Leibchen, auf dem steht: "A.F.".

Das Aussterben bedrohter Servicearten ein wenig hinauszuschieben, das hat sich ein senegalesischer Dipolomatensohn aus Paris auf die Fahnen geschrieben. Papa "Baba" Conrad Sarr. Und er geht sogar noch weiter, er kehrt den fatalen Trend um! Sein Schuhputzladen, der mit Devotionalien vollgepfropfte, wie der Schrein eines Dandys eingerichtete Club Salon Baba in einer Querstraße der Champs-Eylsées, ist der exklusivste und charmanteste hot spot des gesamten 8. Arrondissement. Le plus cool. 

Zunächst einmal: Das Handwerk wird hier zelebriert wie eine Kunstform. Und so nennt Baba es auch: l'art du cirage et du glaçage. Mit seiner geheim gehaltenen Technik, die er nur noch an seine gazellenhafte Assistentin und Freundin weitergegeben hat, bringt er Schuhe derart zum Glänzen und Strahlen, daß es eine Wonne ist. Das dauert mitunter aber auch schon mal bis zu 20 Minuten - kostet aber immer nur 10 Euro, und wenn man lieb ist, versteht sich der Preis sogar inklusive Espresso oder Champagner. Und lieb sind hier die meisten, denn dieser schöne, warmherzige, freundliche Mensch, der noch in Sneakers Eleganz ausstrahlt, versammelt die feinsten Exemplare der jeunesse dorée in seinem kleinen Schuhputzlädchen. Es ist wie in einem Taubenschlag, bloß daß hier fast ausschließlich der Typ Paradiesvogel zur Tür hineinflattert, darunter zur Hälfte Weibchen.

Man spricht über Neuigkeiten aus dem Quartier, über Reisen, die schönen Künste, Afrika, Martin Luther King... und über Schuhe! Mit einem Billigfabrikat oder gar einem Loch in der Sohle sollte man den Club Salon Baba tunlichst nicht aufsuchen, denn um sich zu blamieren, gibt es bestimmt bessere Orte als diesen Hort lässiger Kultiviertheit und selbstverständichen Stils. 34 rue Jean Mermoz. Grüße bitte!

Babas Gästebuch: Frankreichs Jeunesse Dorée

Eine schöne Reportage über den Club Salon, der ich diese beiden Foto entnommen habe, gibt es auch hier: De Jeunes Gens Modernes.

Der Stilbestimmer trägt beim Schuhputzer: Schuhe von Alden, Strümpfe von Sozzi, Hose von Valentini, Hemd von Barba, Sakko von Cesare Attolini.

04.08.2011

"Spring" in Paris


Paris-Bloggerin Meg Zembeck ist ganz verknallt in das In-Resto Spring (amerikanischer Koch!). Das kleine Filmchen verbreitet Pariser Wohlfühlatmosphäre, wie man sie in den immer seltener werdenden Bistros spüren kann. Weitere Infos gibt's hier: klick it!

01.08.2011

Wo Hamburg am schönsten ist



Das Miniatur Wunderland (Eigenname ohne Bindestrich, kurz MiWuLa) in Hamburg ist die größte Modelleisenbahnanlage der Welt. Sie befindet sich in der historischen Speicherstadt und wird von der Miniatur Wunderland Hamburg GmbH betrieben. Auf der 1300 m² großen Anlagenfläche liegen insgesamt 13 km Gleise im Maßstab 1:87 (Nenngröße H0), auf denen 930 digital gesteuerte Züge verkehren. Im vorläufigen Endausbau, der ca. im Jahr 2020 erreicht sein soll, soll die Anlagengröße über 2300 m² mit über 20 km Gleisen betragen.

23.07.2011

On the streets



Schon seit einigen Jahren spielt sich das wirkliche Geschehen in der Modewelt nicht mehr bloß auf den Laufstegen ab, sondern bei den Mode-Selbstdarstellern, die sich auf den Straßen großer Städte oder am Rande von Modenschauen inszenieren. 

Streetstyle-Fotografen machen Bilder von ihnen und stellen sie in ihren Modeblogs ins Netz. Als Erfinder dieser "Kunstform" gilt gemeinhin Scott Schuman, bekannt als "The Sartorialist". Tatsächlich ist das aber keine neue Idee. Der Vater der Streetstyle-Fotografie macht das seit 50 Jahren! Er heißt Bill Cunningham und ist heute 82 Jahre alt. Seit einem halben Jahrhundert knipst er originell aussehende, Trend setzende Leute auf den Straßen New Yorks und zeigt diese Fotos jeden Sonntag in seiner legendären Kolumne "On the Street" in der New York Times.

Jetzt ist ein Film über ihn und sein Werk entstanden, der im Herbst auch hierzulande auf DVD erscheint: Bill Cunningham New York.

Im Fokus: Anna Wintour

11.06.2011

Lektion 25: Der Salat "Niçoise"

Wer einmal in der Provence oder an der Côte d'Azur unterwegs war, weiß, es gibt so viele Rezepte für den Nizza-Salat wie Restaurants...

11.04.2011

Echte Unterhaltung (That's Entertainment)

A smash of glass and the rumble of boots -
An electric train and a ripped up 'phone booth -
Paint splattered walls and the cry of a tomcat -
Lights going out and a kick in the balls -
that's entertainment.



07.04.2011

Lektion 24: Chuzpe [xʊtspə]

.
Theatre des Champs Elysées
Avenue Montaigne, Paris

Chuzpe [xʊtspə], auch Chutzpe (aus dem jiddischen חוצפה [chùtzpe] von hebräisch חצפה [chuzpà] für „Frechheit, Dreistigkeit, Unverschämtheit“ entlehnt) ist eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.

Im Hebräischen enthält der Begriff eine negative Bewertung für jemanden, der die Grenzen der Höflichkeit aus egoistischen Motiven überschreitet. Im Jiddischen und in den meisten europäischen Sprachen schwingt Anerkennung für eine Form sozialer Unerschrockenheit mit. Hier spricht man insbesondere von Chuzpe, wenn jemand in einer eigentlich verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas für sich herauszuschlagen versucht.

(Quelle: Wikipedia)

Biblioteca della Moda
Via Alessandria, Mailand

03.04.2011

Einmal 106: Richtig chinesisch essen gehen.


#26 - "Pikante Gemüsesuppe mit Hühnerfleisch"
In Hannover in der Hildesheimer Straße befindet sich eines der ältesten China-Lokale Deutschlands, das Restaurant Tai Pai, bereits 1963 eröffnet von einem gewissen Doktor Ma, als dieser schöne chinesische Nachname noch einen guten Ruf hatte, was sich erst änderte, als Regisseur Michael Cimino in der New Yorker Chinatown-Saga "Year of the Dragon" seiner Figur Ma ausgerechnet den Beinamen "White Powder" vorstellte, womit keinesfalls der Geschmacksverstärker Glutamat gemeint war.

In Doktor Mas Refugium prankte ein riesiges Gemälde der Schluchten des Jangste im Speisesaal, und das so erzeugte Lokalkolorit in Verbindung mit Kostbarkeiten wie "Geschnetzeltes Rindfleisch zweimal gebraten, nach Art des Hauses" (noch heute als Nummer 106 in der Karte) vermittelten dem Gast das beruhigende Gefühl, China jetzt so gut zu kennen, daß eine eigene Inaugenscheinnahme vor Ort nicht mehr nötig war.

Die Authentizität machte allerdings beim Personal halt: Die Ober Herr Lehmann und Herr Brakemeier servierten mit altdeutscher Akkuratesse und stilecht in weißen Kellnerjacken - stets kritisch beäugt vom kettenrauchenden Doktor Ma an Tisch 1.

Das Tai Pai ist eines der wertvollsten Erben, die uns die Lokalgeschichte hinterlassen hat. Es kongenial zu verwalten, ist der große Verdienst von Yat Kuen Chor, der hier vor Jahren eine neue Dynastie begründete und sicher stellt, daß das Tai Pai bleibt, was Doktor Ma einst schuf: Eine Oase des Genuß'. Generationen lernten als Kind hier die große weite kulinarische Welt kennen, so auch der Stilbestimmer – sein Leibgericht: #26.

Tai Pai | Hannover | Hildesheimer Str. 73 | Tel.  (0511) 88 52 30

Erfrischendes Tsingtao Bier im Tai Pai
Daß wir heute Tsingtao Bier trinken, haben wir den Zulu zu verdanken. Zulu-Krieger fügten den Briten in der Schlacht bei Isandhlwana am 22. Januar 1879 eine verheerende Niederlage zu, die sogar Kaiser Wilhelm bestürzte. Allerdings sorgte er sich weniger um das Wohl der Engländer: bislang hatte man sich in Europa darauf verlassen, daß Großbritanniens Armee und Marine die Handelsflotten aller befreundeter Staaten schützen würde, aber nun war der Nimbus der britischen Unbesiegbarkeit im blutigen Sand Südafrikas versunken.

Das deutsche Reich beschloß, dem Welthandel nun selbst den notwendigen militärischen Rückhalt zu verschaffen und gründete u.a. den Marinestützpunkt in Tsingtao, auf deutsch: Qingdao. Bis 1914 stand Qingdao als Hauptstadt des „Deutschen Schutzgebiets Kiautschou“ unter deutscher Herrschaft. Aus dieser Zeit sind noch heute viele Bauten erhalten, so zum Beispiel die Brauerei, die deutsche Siedler hier sofort nach ihrer Ankunft errichtet hatten, um Bier nach deutschem Reinheitsgebot zu brauen. Die ehemals deutsche Brauerei ist nun ein weltweit agierendes Unternehmen und hat inzwischen Brauereien in ganz China, Teilen Asiens und Nordamerikas aufgebaut. Ihr Bier wird unter dem Namen Tsingtao weltweit vertrieben.

26.03.2011

Lektion 23: Frühaufsteher

Morgens um halb sechs in Paris...

Nach einem Dreh hatte Claude Lelouch noch eine Filmrolle übrig. Er montierte die 35mm-Kamera auf seinem Mercedes 450SEL und fuhr frühmorgens von der Porte Dauphine quer durch die Stadt hoch zur Sacré Coeur. Genial. Unerreicht. Legendär.


Mehr zu "C'était un rendez-vous" hier: Klick!

28.02.2011

Die Königsrede

Bei der 83. Oscarverleihung gestern abend in Los Angeles gab es vor der Verleihung des Preises für den besten Film eine hübsche Videocollage aus den zehn nominierten Filmen - unterlegt mit der "King's Speech" aus dem gleichnamigen Film...


Und hier die Originalszene. King's Speech hat den Oscar dann auch gewonnen.

24.01.2011

Lektion 21: Der S.U.V.



"Braun ist das neue Weiß. Und das war ja das neue Schwarz", weist uns Hubert Korth, Verkaufsleiter bei unserem Lieblingsdealer - Autohaus Marquardt in Hannover - in die aktuelle automobile Farbenwelt ein und läßt sogleich den eiförmigen "Schlüssel" zu dem großen Braunen in unsere ausgestreckte Handfläche fallen. "Keyless entry!", zwinkert Korth uns zu. Und von nun an genügt es, den Türöffner in der Hosentasche zu tragen und der Volkswagen Touareg V8 TDI steht immer offen, sobald wir uns ihm nähern.

Daß man mit dem Touareg problemlos Gipfel erklimmen, durch Flüsse waten und die Wüste Gobi durchqueren kann... - das alles, weiß man ja quasi schon aus der Fernsehwerbung. Aber wie steht es um die soziale Intelligenz des allerneuesten S.U.V. niedersächsischer Provinienz? Das genau wollen wir testen. Auf schwierigstem Parkett. In Berlin, Sarrazin-Country.

Auf der Hinfahrt über die A2 machen wir uns erst einmal mit dem neuen Achtzylinder-Diesel vertraut, der im Konzernregal den alten V10er ersetzt. Dieser hatte zwar nominell ein paar PS weniger, haute einem seine brachiale Kraft aber derart vulgär um die Ohren, daß besonders Herrenfahrer mit einem Hang zum Küchenpersonal auf ihre Kosten kamen. Der Neue stellt 340 PS und ein Drehmoment von 800Nm zur Verfügung. Beachtliche Werte, aber hier wollen ja - beladen mit Mann und Maus und etlichen elektrischen Helferlein - auch fast drei Tonnen gegen den Wind gestemmt werden. Ab 200km/h wirkt der Touareg dann auch ein wenig angestrengt. In den Weiten Brandenburgs mit seinen unendlichen Kiefernwäldern belassen wir es bei dieser Reisegeschwindigkeit. Der Touareg ist ein grandioses  Langstreckengefährt. Kein Vergleich mit dem hoppeligen Vorgänger, der immer ein bißchen zuviel raues Kutschbock-Flair verströmte. Und dann die Assistenten gegen jede nur denkbare Fehlleistung des Fahrers: Abstandstempomat, Fahrspurkontrolle, Toter-Winkel-Überwachung, Regensensor, Verkehrszeichenerkennung, state-of-the-art Navigationsssytem...

Letzte Ausfahrt Kreuzberg,
Bergmannstraße 1
Wir flögen am liebsten durch bis Ostpreußen, aber hinter Tempelhof heißt es: "all doors in park". Unser Testparcours beginnt ausgerechnet im tiefsten Kreuzberg, Bergmannstraße 1. "Kreuzberg?!", hatte uns ein befreundeter Architekt und Berlin-Connaisseur noch nachgerufen, "da brennt der Wagen doch innerhalb von Minuten aus!" Doch bei ArabBelly, dem besten Schawarma-Bräter Berlins, läßt man nichts anbrennen. Schon gar nicht unseren mokkafarbenen Touareg, der hier - direkt vor der Tür geparkt - einen Hauch von Tuareg verströmt und von den Migranten und Migrantinnen des Kiez' wohlwollend bestaunt wird. Macht schon was aus, das neue, erfreulich zurückgenommene Design des immer noch großen S.U.V. Ein vergleichbarer Porsche Cayenne, diese Blech gewordene Cortison-Spritze, hätte gewiß schon Bekanntschaft mit Herrn Molotow gemacht. Da fackelt man hier nicht lange.

Bei Huong Que,
dem besseren Monsieur Vuong?
Ein paar Blocks weiter beim - laut Thilo Sarrazin wesentlich besser integrierten - Vietnamesen (hier die Suppenküche Huong Que) bedankt sich der Fahrer eines VW Passat erster Generation mit Aufschrift "Republik Freies Wendland" artig, als wir ihm unseren großzügig bemessenen Parkraum überlassen. Wir winken fröhlich zurück, wissend, daß unser Testfahrzeug endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.


5-Sterne-Plus: RC
Aber wie sieht es am Rande aus, dort wo das Gras angeblich grüner aber die Luft auch wesentlich dünner ist? Ritz-Carlton Hotel am Potsdamer Platz. Hier haben sie alle genächtigt, die Baracks und Robbies. Und hier kann er sich erstaunlich breit machen, unser 102.480-Euro-Super-Luxus-Schlitten. Wir haben die Heckklappe kaum von innen entriegelt, da springt der sichtlich beeindruckte Portier auch schon herbei durch das übliche Spalier aus S-Klasse und allerlei exotischem Getier. Kurios wird es freilich, als wir Stunden später zum Diner aufbrechen wollen und den Volkswagen aus der Garage kommen lassen: Wir staunen nicht schlecht, als gleich zwei Hotelangestellte der mittleren Führungsebene in schicken grauen Anzügen den Wagen pilotieren. Fahrer und Beifahrer - das kennt ein Touareg eigentlich nur von der Dakar-Rallye. "Tolles Auto", flöten die beiden unisono. Fazit: Parkettsicher ist der Testwagen auch auf 5-Sterne-Niveau.

Nächste Disziplin: City-Tauglichkeit und Wendigkeit. Parcours 1: Der Ku-Damm zwischen Kempi und Schlüterstraße. Weiße Cayennes, hellblaue 612 Scagliettis, mattschwarze 911er - hier wird Moskoviter Lebensart zelebriert. Um die Blicke der blonden, langmähnigen Russinen an den Volants der rassigen Sportwagen auch einmal auf uns zu ziehen, müssen wir den braven Niedersachsen ganz schön 'rannehmen und uns recht agressiv auf Augenhöhe bringen - fast wie junge Türken im 3er-BMW. Nee, das wird heute nichts... Für Svetlana ist der Volkswagen zu normal.

Borchardt
Parcours 2: Friedrichstraße zwischen Französische Straße und Quartier 206, früher Abend, es ist wusselig in Mitte. Doch wie ein Damenfahrrad wieselt unser Touareg zwischen quer und in zweiter Reihe geparkter Verkehrsteilnehmer hindurch. Und dank Rückfahrkamera gelingt es uns sogar, elegant vorm "Borchi" einzufädeln. Wobei: das beeindruckt die langgeschürzten Kellner nicht wirklich. Sei's drum: Wie immer, Wiener Schnitzel und weißer Sancerre

Rosenthaler Platz
auf zum Prenzelberg
Parcours 3: rund um den Kollwitzplatz. Auf dem Spielplatz  haben schon Suri Cruise und die ungezählten Plagen von Brangelina getobt. Was vier Räder hat, darf hier schon mal hochwertig sein. Kinderwagen unter 2.000 Euro sind eher die Seltenheit auf dem "Prenzelberg". Und auch unser brauner Bomber erntet fast nur freundliche, anerkennende Blicke, als wir zum dritten Mal bei Anna Blume vorbeirollen auf der Suche nach Parkraum. Das ist das eigentlich Skandalöse, schließlich befinden wir uns in dem einzigen Wahlkreis der Bundesrepublik Deutschland, in dem der Kandidat der Grünen per Direktmandat in den Bundestag gewählt wurde - der Herr Ströbele. 

Müssen wir umdenken? Ist der moderne S.U.V. wider Erwarten doch noch in unserer Gesellschaft angekommen? In der Tat. Braun ist nicht nur das neue Weiß. Der dezent gezeichnete, ökologisch verträgliche, effiziente VW Touareg ist offenbar gleichsam so etwas wie der neue Golf GTI. Klassenlos, modern, unprätentiös. Auf der Heimfahrt müssen wir denn auch unwillkürlich an alte GTI-Zeiten denken. Ach, früher... Ein wenig zu gedankenverloren bügeln wir die A2 platt. Zwei Fotos, Punkte, Buße. Geschichte wiederholt sich doch. Macht aber Spaß.

Karl-Marx-Allee. Der Touareg behält die Übersicht.

City-Slicker. Auf einem Werksfoto.