08.08.2010

Lektion 6: Rolls-Royce



Ich war einst stolzer Fahrer und Besitzer - leider nicht auch "Eigentümer" - eines Rolls-Royce Silver Cloud II LWB (long wheel base mit Trennscheibe). Ein perfekt erhaltenes Exemplar, Vorbesitzerin Queen Elizabeth The Queen Mother. Ein väterlicher Freund hatte das Fahrzeug in London gekauft, bevor ihm einfiel, daß er gar keinen Führerschein hatte. Der Rolls wollte aber bewegt werden, und so... gab er ihn mir!

Eines schönen Tages fuhr ich in diesem Silver Cloud mit der lieben Mutter - Gott hab' sie selig - nach Sylt. An der Verladestation in Niebüll bedeutete mir ein Bundesbahnmitarbeiter in gewohnt reduzierter Gebärdensprache, daß ich mit meinem Dickschiff keinesfalls wie jeder normale PKW-Fahrer einfach auf den doppelstöckigen Autozug rollen könne... Stattdessen sollte mein Platz auf dem offenen Pritschenwagen sein - neben LKWs und Gespannen mit Wohnwagen. Genau dazwischen reihte ich den Ex-Rolls von Queen Mum ein...

Und da sah ich sie, oder besser: es - einen RR Silver Cloud III (!) mit Mannheimer Kennzeichen, am Steuer eine attraktive Dame um die fünfzig und auf dem Sozius die umso attraktivere Tochter von etwa zwanzig. Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, ist wesentlich größer, als die, in einem von zwei RR Silver Cloud auf demselben Pritschenwagen nach Sylt zu sitzen (ist seitdem wohl nie wieder vorgekommen - und heute fährt alles Cayenne oder Panamera)...

Madame hatte arge Probleme, ihr Auto rückwärts (!) auf den Zug zu bugsieren. Sie war im Begriff, schier zu verzweifeln. So löste ich mich von meinem Volant, um dem Damen-Duo galant beizuspringen. Ich stellte zunächst mich artig vor - und danach deren Karre in einem eleganten Schwung, der den geborenen Rolls-Royce-Fahrer verriet, im Rückwärtsgang auf den Wagon! In diesem Moment hätte ich alles haben können: Mutter, Tochter, die Fabrik des Vaters wahrscheinlich auch noch, hätte ich nur darum gebeten. Doch stattdessen beließ ich es bei einer d'artagnanesken Verbeugung und empfahl mich stets zu ihren Diensten... Seit jenem Tag an der Autozugverladestation in Niebüll weiß ich, wie Triumph schmeckt. Süß!

1 Kommentar:

v. Braun. hat gesagt…

Sie Charmeur! Nun, das nennt man eben das Gesetz der Attraktion des intrinsisch Ähnlichen wie z.B. von Sir James Frazier beschrieben.